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    Tag 5... - oder: Das Gehupe nervt  

Shanghai ist anders!
Tag 0 - Auf geht's mit Geschrei
Tag 1 - Shanghai lacht
Tag 2 - Im Land der Fahrräder
Tag 3 - Bootsfahrt
Tag 4 - Shoppingwahn
Tag 5 - Das Gehupe nervt
Tag 6 - Nr. 5 ist groß genug
Tag 7 - Der Preis ist heiß
Tag 8 - Fehlende 2 Meter
Tag 9 - Zünftige Bierstube
Tag 10 - Über den Wolken
Tag 11 - Fragen & Antworten
Tag 12 - Letzte Runde
Tag 13 - Der Abschied

 

 

 

 

 

Der Begriff Asienkrise sollte diesen Tag bestimmen. Es mag vielleicht daran liegen, dass ich ständig an „Essen wie bei Mutti“ denken musste. Der Hunger, den ich mit mir rumtrug, schlug gehörig auf die Laune und auf die Nerven. Sonst ein totaler Gemütsmensch, hat Shanghai aus mir total das Gegenteil fabriziert. Ich bin schlicht genervt von allem, jedem und überhaupt. Der Faszination tat dies aber Gott sei Dank keinen Abbruch. Nicht in die Lage kommen zu müssen, irgendjemandem unfreundlich zu kommen, wähle ich heute den Weg in die Stadtmitte per Pedes. Allerdings habe ich wohl mein räumlich- und dimensional wirkendes Wahrnehmungsvermögen im Flieger gelassen. Den Weg zum People´s Square stellte ich mit in der Tat etwas kürzer vor. Aber, so malte ich mir den Fußweg rosig, so lerne ich die Stadt halt am besten kennen und kann abends halt einen guten Tourguide abgeben.

 Das ständige Gehupe der Autofahrer geht mir heute besonders auf den Zwirn. Ich glaube, die wissen selbst nicht, warum sie ständig auf die Tröte drücken. Hauptsache Lärm machen. Oh mann, wie das nervt. Es geht einfach an die Substanz. In einer Unterführung zur U-Bahn bleibe ich vor ein paar Aquarien stehen. Die Beruhigung durch die Fische wirkt wahre Wunder. Mein Blutdruck sinkt, die Geduldsskala hat wieder etwas Luft nach oben. In einem Hinterhof, wie bin ich eigentlich hierher gekommen?, befindet sich ein Antiquitätenmarkt. Tolle Schränke und noch schönere Sitzmöbel werden zum Kauf angeboten. Wieder ist da dieses Gefühl: Sind die Sachen wirklich alt, oder lediglich auf alt gemacht. Spielt aber eigentlich auch gar keine Rolle, denn die Lufthansa würde mir getrost einen Vogel zeigen, Antiquitäten als Handgepäck gehen nun mal gar nicht. Aus naher Entfernung entnehme ich auf einmal Gezwitscher. Ist das nun Radio oder einer der Vogelmärkte? Die Vogelgrippe im Hinterkopf wird der Mut vom Verstand geschlagen, ich gehe weg.

 In einer dieser kleineren Straßen ist ein Flohmarkt aufgebaut. Jeder, der etwas verkaufen will, tut dies. Entweder auf der Decker, so wie die Kinder das machen, oder auf semiprofessionellen Tapeziertischen, so wie die Schwarzhändler mit ihren gebrannten und gefälschten DVDs. Die Atmosphäre ist toll. Das Lachen der Menschen gibt mir eine Portion Gelassenheit wieder zurück. Was für ein Wunder auch hier: Überall bieten Menschen etwas zu essen an. Die Töpfe sehen nur leider schon so aus, als würde selbst die Müllkippe die Annahme verweigern. Den Chinesen mundet es jedoch köstlich. Mir dreht es sich immer noch der Magen um.

Der abendliche Einkaufsbummel mit Yvonne bringt leider nicht das gewünschte Ergebnis. Angesehen davon, dass der modische Geschmack ebenso weit weg von unserem ist, wie das Land von unserer Heimat, gibt es einfach keinen Schuh, der Yvonne passen würde. Einige Modelle kamen tatsächlich in die engere Auswahl, beim eng blieb es dann auch. Größen nur bis 39 lieferbar. Yvonne hat 39, jedoch eine europäische 39, dumm gelaufen. Klamottentechnisch war dies noch extremer, was mir aber ehrlich gesagt auch ganz gut in den Kram passte, da mir von diesen ach so angesagt und hippen Teilen nichts an meiner Frau gefallen würde.