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    Tag 10... - oder: Über den Wolken  

Shanghai ist anders!
Tag 0 - Auf geht's mit Geschrei
Tag 1 - Shanghai lacht
Tag 2 - Im Land der Fahrräder
Tag 3 - Bootsfahrt
Tag 4 - Shoppingwahn
Tag 5 - Das Gehupe nervt
Tag 6 - Nr. 5 ist groß genug
Tag 7 - Der Preis ist heiß
Tag 8 - Fehlende 2 Meter
Tag 9 - Zünftige Bierstube
Tag 10 - Über den Wolken
Tag 11 - Fragen & Antworten
Tag 12 - Letzte Runde
Tag 13 - Der Abschied

 

 

 

 

 

Die Erlebnisse, die wir heute gemacht haben, rechtfertigten schon alleine diese Reise nach Shanghai ans andere Ende der Welt. Es war Abholtag der geschneiderten Klamotten vom Stoffmarkt. Meinen Anzug holte ich bereits mittags ab, Yvonnes Termin wurde auf die Abendstunden verlegt, damit eventuelle Änderungen noch gemacht werden könnten. Der Anzug saß wie angegossen, nur die falschen Knöpfe wurden angenäht. Ohne murren wurde die Schneiderin bestellt. Ich hatte somit eine knappe Stunde Zeit, mir die Gassen und Winkel etwas genauer anzuschauen. 

Es kam mir vor, als könnte ich die Anblicke des regen Treibens jetzt viel mehr genießen als die Tage zuvor. Vieles kam mir einfach schon bekannt vor. Das Staunen über einige Dinge war mir nun vergangen. Ich studierte die Menschen und deren Gesichter noch intensiver als zuvor. Mein höfliches Fragen nach Fotos wurde meist positiv beantwortet So kamen an diesem Tag die meisten Porträtfotos der Reise zustande. Einige Gassen hatten wir die Tage zuvor irgendwie übersehen. Plötzlich fand ich mich auf einem Lebensmittelmarkt wieder, der in solcher Art und Weise sicher seinesgleichen in Europa suchen würde. Fische sprangen mir vor den Füßen rum, Eingeweide und Literweise Blut floss in die Rinnen am Straßenrand. Was mir vor zehn Tagen noch weiche Knie bereitet hätte, machte mir nun nichts mehr aus. Okay, fast nichts. Der Anblick der Metzgerhaken und der Tierhälften in der Auslage ließen meinen Magen nicht gerade vor Freude drehen und hüpfen. Aber ich war tapfer geworden. Shanghai ist halt anders, ganz anders. Die alten Männer mit ihren Nähmaschinen, die Frauen auf ihren Stühlen am Straßenrand wirkten wie Postkartenmotive. Gut, dass die falschen Knöpfe geändert werden mussten. Sonst hätte ich diese Gassen nicht mehr zu Gesicht bekommen. 

Die Knöpfe waren schließlich auch angebracht, und ich fuhr erst mal wieder ins Hotel zurück. Noch ein wenig lesen und abends dann zusammen mit Yvonne noch mal zum Stoffmarkt. Die meisten Buden hatten bereits geschlossen und wir waren bereits im Glauben, uns hätten die fleißigen Schneiderinnen vergessen. Aber nach knapp einer halben Stunde des ungewissen Wartens, kamen sie endlich und präsentierten den fertigen Mantel. Ein absoluter Traum mit perfektem Sitz. Dieser sportlich elegante Mantel war dann auch das richtige Outfit für eine ganz besondere Bar, die wir besuchen wollten. Cloud 9.  

Wir wollten hoch hinaus und die Stadt im Dunkeln betrachten. Cloud 9 befindet sich im Jin Mao Building, der Ausblick bei Nacht ist phänomenal. Um in den 87. Stock zu gelangen, müssen wir einmal den Aufzug wechseln und umsteigen. Ein exklusives Ambiente nahm uns über den Wolken in Empfang. 360 Grad Rundumblick auf Shanghai. Gigantisch. Zu unserem Glück wurde gerade ein Tisch am Fenster frei. Wir blickten entspannt auf den beleuchteten Bund. Die Stadt wirkte auf einmal so klein, so überschaubar. Bei einem erstklassigem Cocktail und ein paar Häppchen genossen wir einen wunderschönen Abend über den Dächern von Shanghai. Auch hier versagen mir die Worte, um zu beschreiben, wie überwältigend dieser Ort in Wirklichkeit ist. Nachdem wir genug „genossen“ haben, besuchten wir noch den Empfangsbereich des Grand Hyatt Hotels und wagten einen Blick in dieses Atrium gigantischen Ausmaßes. Bei Abendbeleuchtung wirkte es noch gewaltiger und glamouröser als bei Tageslicht. Auch wenn das Hotel eines der ersten Liga ist, so wollte ich dort nicht absteigen. Als Gast muss man sich so etwa wie im Zoo vorkommen. Viele Menschen kommen, um einfach nur zu schauen. So wie wir