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    Geschichten aus der Arbeitswelt....  

   


Anekdoten aus 14 Tagen Shanghai -
die nachhaltig in Erinnerung geblieben sind....

China zu besuchen ist die eine Sache - aber in China zu arbeiten noch einmal eine ganze andere.... In China als Frau in einem Büro zu arbeiten - total anders......! Als ich hörte, das ich 14 Tage nach Shanghai darf - war ich erst einmal völlig begeistert - sofort habe ich versucht, mich mit den Kulturen des Landes vertraut zu machen!

Wie übergibt man seine Visitenkarten - gibt man sich die Hand zur Begrüßung, wie verhält man sich bei einem Geschäftsessen usw. So viele unterschiedliche Dinge, die ich lernen wollte und vor allem ja auch beobachten...

Es war meine erste Reise nach China. China gehörte immer schon zu den Ländern, die ich zwingend besuchen wollte, somit war meine Begeisterung dann doppelt so groß... Allerdings, war ich auch direkt am ersten Tag so ernüchtert, das ich dachte - wo bin ich hier gelandet....

Meine Kollegin hatte für mich einen Fahrer organisiert - der mich jeden morgen pünktlich um 8.00 Uhr im Hotel abholte. Nach ca. 60 Minuten Fahrt kamen wir dann endlich an - mitten im nirgendwo. Mr. Chen gab mir zu verstehen - das wir da waren. Mit einer Handbewegung, die anzeigte, ich sollte aussteigen und in genau diese Tür gehen und dem Hinweis "14th floor" entließ er mich aus dem Auto. Im übrigen, nicht das ihr glaubt, das wäre eine Luxuskarosse mit allem drum und dran - nein es war auch ein Santana - allerdings in einem besseren Zustand als die meisten Taxen......!

Als ich durch die große Eingangstür ging und mich nach den Aufzügen umsah, war ich alleine in der Halle. Ich entdeckte am Ende eine weitere Halle mit 3 Aufzügen, drückte, stellte mich in die Mitte der Halle und wartete darauf, welcher Aufzug zu erst kam....  - es klingelte, der Aufzug kam, die Türen gingen auf und auf einmal kamen "unendlich" viele Chinesen aus den Ecken und drängelten sich in den Aufzug rein...., die Türen gingen zu und ich stand immer noch in mitten der Halle - ohne auch nur einen halben Meter nach oben gekommen zu sein....

Das konnte doch nicht sein - Hallo - ich war doch zuerst da - warum war ich denn immer noch hier und die anderen oben, wo war denn die Höfflichkeit, das man erst die Menschen aussteigen lässt und dann nacheinander einsteigt....???? Ich konnte es nicht fassen, der nächste Aufzug kam und das gleiche Spiel begann wieder und ich kam wieder nicht mit..... Beim dritten Mal stellte ich mich mit meiner Nase so dicht vor den Aufzug, das kein anderer Vorbeikam und ich rein kommen musste (es wurde auch diesmal knapp). Oben angekommen nahmen mich die Kollegen in Empfang und brachten mich in mein Büro.....

Ich kam mir hier schon extrem verloren vor - aber nun gut - da musste ich durch. Die meisten meiner Kollegen hatten ein "MontagsMorgenMeeting" und so wahr ich erst einmal auf mich alleine gestellt......!

Die Erfahrungen die ich dort gemacht habe - möchte ich heute nicht mehr missen - obwohl ich mich schon über das Verhalten von einigen Chinesen sehr gewundert habe - besonders gegenüber Frauen! Bis ich Termine hatte - wahr schon fast die erste Woche um... !

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir auch die Mittagspausen....In der Etage wo ich mein Büro hatte, war absolute Ruhe, da sich hier auch die Besprechungsräume befinden..... man sah und hörte niemanden....! Zur Mittagszeit, ca. 12.00 Uhr, kamen  aus allen Ecken und Büros die Menschen, sie schrieen, lachten, kicherten, spielten Tischtennis und tummelten sich in der Kantine..... 45 Minuten später waren alle wieder verschwunden und es wahr Ruhe auf dem Gang! Komisch fand ich das schon....., es wiederholte sich jeden Mittag!

An einem Tag sind wir in die nahe gelegene Produktion gefahren, ich dachte ja nicht im Traum daran, da  Shanghai doch  emanzipiert schien  - das es dort nicht so sein könnte... Die Frauen, die in den Büros arbeiteten durften nicht über das Gelände gehen ohne sich einen blauen Overall anzuziehen und in der Kantine (von dem Essen für einen europäischen Magen - wollen wir jetzt hier nicht sprechen) aßen Männer und Frauen wirklich noch getrennt. Ich war so verwundert, das ich überhaupt nichts essen konnte. Zudem man mir erzählte, das ich auch die erste Europäerin war, die sich überhaupt in diese Kantine traute (und ich mit einem gekichere aus allen Ecken begrüßt wurde).... China ist wirklich anders und darauf hat mich auch kein Buch vorbereitet!

Die Erfahrungen in Sachen Aufzug fahren sollten mich eigentlich darauf vorbereitet haben - das man sich auch beim Taxi fahren ruhig mal vordrängeln kann.... Aber irgendwie steckte auch an diesem Abend noch die Erziehung meiner Eltern in mir und nicht die Chinesische Drängel-Mentalität. Es war Freitag-Abend, André und ich wollten nun gemeinsam das Wochenende in Shanghai genießen und er hatte bereits ein schönes Restaurant ausgesucht....! Um so mehr ärgerte es mich an diesem Abend, das niemand mehr da war, der mich mit in die Stadt nehmen konnte und ich es auch selbst in Shanghai nicht schaffte mal pünktlich Feierabend zu machen.... Es war ca. 18.30 Uhr als ich aus dem Büro-Gebäude ging um mich auf den Weg zum Taxi-Stand zu machen - es konnte ja nicht so schwer sein ein Taxi zu bekommen in dieser Stadt.

Von wegen, nicht Freitags und nicht im Niemandsland! Neben mir warteten noch 2 weitere Damen auf ein Taxi, ich stellte mich höfflich hinten an, aber jedes Taxi, was in unsere Nähe kam war belegt oder hielt einfach nicht an.... Die beiden Frauen, schafften es nach ca. 30 Minuten einen Wagen anzuhalten, ich dachte super - jetzt stehst Du hier auch noch ganz alleine rum, da geschah das unglaubliche... Sie zeigten, ich sollte einsteigen, sie würden auf das nächste Taxi warten... Ich konnte mein Glück kaum fassen, bedankte mich höfflich auf chinesisch und sprang in das Taxi. Ich hielt dem Fahrer die Visitenkarte vom Hotel unter die Nase und murmelte, er sollte sich beeilen (André wartete schließlich schon seit ungefähr einer halben Stunde in der Lounge). Was mich jetzt erwartete war der Höllentrip von Shanghai und brachte dann meine Asien-Krise so richtig zum brodeln..... Er fuhr  - aber nicht wie alle Taxifahrer in einer Geschwindigkeit, das mir schlecht wurde - sondern mit maximal 25 km ritten wir über die Straße........, alle 5 Minuten hielt er an und putzte die Windschutzscheibe von außen sauber und abgesehen davon fuhr er in die komplett verkehrte Richtung (soweit ich das beurteilen konnte). Ich sah mich verloren in einer 20 Millionen Menschen statt mit 3 Worten Chinesisch.... Ich rief André im Hotel an und teilte ihm die Taxi-Nummer mit und er sollte mich von der Polizei suchen lassen, wenn ich nicht bis 21.00 Uhr im Hotel angekommen bin.... Den Fahrer störte mein Geschimpfe übrigens kaum - wie auch - er verstand mich ja nicht.... als er dann zum 10mal anhielt um seine Windschutzscheibe zu putzen, hab ich ihn dann in einem Mischmasch auf Englisch, Deutsch, Französisch und Chinesisch zusammen geschrieen... er schaute mich an - entschuldigte sich und fuhr und diesmal fuhr er und ritt nicht über die Straße....

Ich konnte es nicht fassen als ich dann endlich um 20.55 Uhr das Hotel sah. André wartete schon im Eingang. Ich stieg entnervt aus dem Taxi - knallte die Tür und wollte schon dagegen treten - aber André hielt mich zurück! Ich merkte mir aber die Taxi-Nummer und schwor mir - dort nie wieder einzusteigen... Bis heute denke ich noch darüber nach - warum, wieso und weshalb - haben mir die beiden Frauen das Taxi etwa extra überlassen???? Ich werde es wohl nie aufklären können. Es sind viele sehr merkwürdige Dinge passiert in Shanghai. Dinge, die hier im Beruf nie so passiert wären und sind - aber ich denke in einer Stadt, in der wohl um die 20 Millionen Menschen leben - muss man anders durch die Welt gehen.....

Nichts desto trotz - ich würde es immer wieder machen!!!